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Geld, Web 2.0 und Weisheiten
Posted By Michael Raich On 20th Oktober 2005 @ 10:44 In Web | 1 Comment
Mit dem Begriff Web 2.0 wird versucht, die nächste Evolutionsstufe der Internet-Technologien zusammenzufassen. Es geht insbesondere um die Ablösung von statischen, monolitisch aufgebauten Websites mit integrierten, dynamischen Services, die das Web lebendiger machen wie z.B. die Blogs, Google Maps, Flickr, Wikipedia, salesforce.com, etc.
Hier einige Überlegungen zu dem tatsächlichen Erfolg dieser neuen Entwicklungen.
Während der Begriff Web 2.0 sich langsam durchsetzt und einige Leute sogar glauben zu wissen, was er bedeutet, fällt plötzlich auch wieder mehr Licht auf die unternehmerische Seite a.k.a. die finanziellen Deals.
Die ersten “Kinder” des Web 2.0 werden verkauft (u.a. Flickr, Weblogs.com, Bloglines), die VCs fangen wieder an, Schlange zu stehen und die ersten Entrepreneure träumen schon wieder vom großen Geld.
Da fällt einem sofort ein Begriff ein: Bubble 2.0 ...
Von den vielen tollen Ideen der ersten Hypejahre im Internet sind nur wenige übrig geblieben. Gerade von den Amerikanern, bei denen einige Business Angels und VCs besonders techologielastig bzw. geeky sind – wohl weil ihr Geld selbst meist aus dem Bereich kommt.
Die “Bubble” hat das übrig gelassen, was wirklich einen langfristigen Mehrwert schafft.
Diejenigen, die wirklich neues hervorgebracht haben, sind darunter an einer Hand abzuzählen:
Was ich aber heute an sogenannten Web 2.0 Innovationen sehe, lässt mich – und andere – da eher kalt. Das meiste, was man heute an angeblichen Web 2.0 Applikationen so findet, beweihräuchert sich entweder selbst oder gegenseitig. Das Konzept eines vernetzten Webs mit vielen kleinen Applikationen ist zwar interessant und für Verleger wie O’Reilly sicher ein gutes Zugpferd zum Bücherverkaufen, aber ob es nachhaltige Businessmodelle bringt?
Sicher, das Thema Blogging ist spannend, mit 20 aktiven Mio. Blogs, aber wird es tatsächlich mehr als ein Journalismusupdate sein?
Flickr hat die alte Geschichte der Web-Fotoalben auf innovative Weise gelöst – ist aber tendentiell ein Add-on für anderes und wurde wohl auch deshalb schon von Yahoo übernommen (sozusagen Innovation durch Acquisition). Meiner Meinung nach steht es repräsentativ für viele der Web 2.0 Dienste da draußen.
Ein wirklicher Innovator, der bestehende Industrien zum wanken bringt, ist Skype. Auch wenn eBay dafür 2 Milliarden USD bezahlt hat, Skype hat nicht viel mit Web zu tun. Und war darüber hinaus bei weitem überbezahlt. Auch wenn eBay damit wohl genau das Gleiche wie Google vor hat: der nächste Plattformanbieter der IT-Welt zu werden. Und von dieser oft spekulierten Strategie bin ich noch nicht überzeugt. Weder bei Google, die nach wie vor ihr Geld mit Anzeigen machen noch bei eBay, das gleiche in Auktionsgebühren.
Für ebenfalls eine stolze halbe Mrd. $ ist myspace.com an Rupert Murdoch (Fox) gegangen. Nun, das eine der wirklich interessanten Geschichten der letzten Jahre. Nicht (nur) weil sich Teenager dort eine bunte Seite basteln können. Sondern wegen dem Musikmarketing. MySpace.com kann das MTV der heutigen Generation werden. Und gemeinsam mit Apple’s Musikstrategie der Plattenindustrie endgültig den Saft abdrehen (wie berichtet).
Wenn man es genauer betrachtet, gibt es darüber hinaus einen riesigen Haufen (siehe oben) kleinerer Unternehmungen mit durchschnittlich innovativen Geschäftsmodellen und durchschnittlich großer Zielgruppe, die erfolgreich eine Nische suchen und diese besetzen. Mit relativ geringem Budget und kalkulierbarem Ausgang (Pleite, Kleinunternehmer oder schneller Verkauf mit gemäßigter Upside).
Und genau hier liegt die Chance für neue, frische Ideen und einem kleinen bisserl Mut. Der Aufwand liegt nur noch bei einem Bruchteil dessen, was zu Internet-Pionierzeiten notwendig war. Und wie Excite Gründer Joe Kraus schreibt: The sources of funding capable of writing $100,000 checks are a lot more plentiful than those capable of writing $3,000,000 checks. It’s a great time to be an angel investor because there are real possibilities of substantial company progress on so little money (Hervorhebung von mir).
Und auch die Unternehmenslandschaft wird sich – zunächst – genauso entwickeln, wie Web 2.0 gemeint ist. Ein Sammelsurium aus vielen einzelnen Web Services, die ein einheitliches ganzes ergeben. Viele kleine Unternehmen, die ihre Markt- oder Technologienische gekonnt ausnutzen um für sich ein gutes Auskommen zu haben oder auf die nächste Konsolidierung warten zu können. Und die kommt bestimmt. Irgend jemand wird anfangen müssen, den Wust an neuen Services gewisse Standards zur Interoperabilität zu geben. In der Vergangenheit hat das selten in einem fragmentierten Markt funktioniert.
Vielleicht sollte man es machen wie Business 2.0 (heisst schon länger so) es gemacht hat: sie haben einfach die VCs direkt gefragt, worin sie heute investieren würden. Darunter: neue Zahlungssysteme (wie immer)und Computer für Opi und Omi.
Und immer wieder der Ruf nach einheitlichen Plattformen Stichwort Konvergenz).
War das nicht eher das Gegenteil von Web 2.0?
Da hilft dann nur noch der Custom Web 2.0 Business Plan von odio.us um den nächsten Hype heraufzubeschwören
Ach ja, ich habe solche Dinge wie Identity 2.0, del.icio.us, RSS, Ajax, Ruby on Rails, Bit Torrent, Wikis, Tags, Podcasting, Google Maps und die ganze weitere API Suppe bewusst weggelassen. Das machen genügend andere. Mir ging es um die Evaluierung der Chancen für Entrepreneure, nicht um eine saubere Chronik von Web 2.0!
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